Ich will frei sein!

22. November 2019 | Kirsten |

von Kirsten

Die angekettete Freiheit

Als ich in der 11. Klasse war, hatten wir im Kunstunterricht die Aufgabe, aus Drähten eine Skulptur zu bauen. Ich habe die Freiheitsstatue nachgebaut, sie war mit vier schweren Ketten an dem Holzstück, auf dem sie stand, angekettet. Inspiriert hatte mich damals der Ausspruch des französischen Philosophen Jean-Jacques Rousseau:

Der Mensch ist frei geboren und überall liegt er in Ketten.

Was für ein Widerspruch! Aber wer oder was nimmt den frei geborenen Menschen wieder in Ketten?

Die Aussage von Rousseau ist früher wie heute aktuell und meine Skulptur von damals würde ich mir auch heute noch aufstellen – als Mahnmal. Bedauerlicherweise wurde sie damals aus der Kunstsammlung der Schule gestohlen. Ich habe sie nie wieder gesehen, meine angekettete Freiheit.

Aus heutiger Sicht steckt in dieser Tatsache tatsächlich etwas Wahres: Ja, in den letzten 20 Jahren hat sich bei mir etwas grundlegend verändert. Ich habe Jesus den Kettensprenger kennengelernt!

Durch Christus seid ihr dazu berufen, frei zu sein“ (Galater 5, 13).

Er hat seitdem schon viele meiner Ketten abfallen lassen und mich in Freiheit geführt.

Unsichtbare Ketten

Bei anderen Ketten ist die Befreiung gefühlt schwieriger. Ich sehne mich beispielsweise danach, mir keine Gedanken darüber zu machen, was andere über mich oder – noch schlimmer – über meine Kinder denken könnten. Über meine Figur, mein Aussehen, meinen Haushalt oder die Qualität meiner Arbeit. Ich frage mich, ob diese Unfreiheit, die ich da von Zeit zu Zeit spüre, sich nicht hauptsächlich in meinem Kopf abspielt? Gibt es da nicht manchmal diese unsichtbaren Barrieren, mit rotem Flatterband abgesteckte Bereiche, innerhalb derer wir uns bewegen? Wir haben manchmal bewusst oder unbewusst konkrete Vorstellungen davon, wie Frauen sein sollten, was Schönheit ist, womit Mädchen spielen sollten. Die Liste kannst du sicher mit eigenen Beispielen erweitern.

Oder wie ist es mit Grenzen in der Gemeinde und unter Christen? Grenzen aus alten Verletzungen heraus, aus Konventionen oder Glaubenssätzen und Festlegungen, denen wir vor langer Zeit zugestimmt haben?

Ist die angekettete Freiheit nicht auch etwas, was wir uns selbst auferlegen – anstatt in unserer Berufung ohne Ketten und Grenzen frei zu leben?

Wie fühlt es sich an, wenn es mir nicht mehr wichtig ist, was andere von mir denken? Wie fühlt es sich an, wenn ich meine Schönheit entdecke und mich nicht mehr mit dem innerlichen Bild vergleiche?

Was kostet es, die Ketten zu sprengen oder noch besser von Jesus sprengen zu lassen? Bei Jesus gibt es keine Gegensätzlichkeit – Freiheit ist eben echte Freiheit und zu der sind wir als Christen berufen!

Echte Freiheit kostet Mut

Ich denke an Jesus, wie er einfach so den Tempel gereinigt hat. Als er sich die Freiheit herausgenommen hat, den Jahrmarkt aus dem Tempel des Herrn heraus zu jagen, für einen Wert bedingungslos einzustehen. Jesus hat damit damalige Grenzen überschritten – ein Skandal. Wie sehr bewundere ich Jesus‘ Integrität und Wahrhaftigkeit, wenn ich an meine konventionellen Flatterbänder denke. Freiheit ist kompromisslos.

Oder die Geschichte mit dem Sturm auf dem See: Wie sehr waren die Jünger gefangen in ihrer Angst. Es erinnert mich an mich selbst, meine Ängste und Sorgen. Wie sehr hindern sie mich manchmal daran frei zu leben.

Jesus sprengt unsere Ketten, nicht alle auf einmal und nicht ohne unsere Zustimmung. Er ist ein Gentleman. Wir haben die Berufung durch Christus frei zu sein. Das heißt, es ist möglich, frei zu leben. Ich vermute, dass wir unsere Ketten zunächst erkennen müssen. Wir brauchen Mut und Weisheit hinzusehen, hinzuhören und Jesus die Ketten sprengen zu lassen.

Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (2.Korinther 3:17).

„Heiliger Geist, zeige mir, wo ich noch in mir gefangen bin und schenke mir Mut, in die Freiheit zu kommen. Führe mich Schritt für Schritt. Ich will frei sein.“
Amen.

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