Zeit für deinen persönlichen Jahresrückblick

von | 28. Dezember 2020 | innerlich heil werden |

Trost, Heilung und Freude empfangen

Voller Neugier und Freude betrachte ich das kleine Geschenk, das meine Freundin mir gab. Es ist ein kleines Kosmetiktäschchen, das sie selbst genäht hat. Die Farben stimmig und spannungsvoll arrangiert, wie in einem exklusiven 3-Gänge-Menü.
Gespannt öffne ich den Reißverschluss und finde neben anderen Dingen einen satten, dunkelblauen Nagellack. Meine Freundin weiß, welche Farben ich mag, welche Nagellackmarke ich trage und worüber ich mich freue. Sie hat mich überrascht und mein Herz berührt.
Die Nagellackfarbe trägt den Namen „go overboard“. Ich grinse. Overboard – das ist eine passende Überschrift für die zurückliegenden 12 Monate. Hast du dich in diesem Jahr auch so gefühlt, als hätte dich jemand plötzlich über Bord geworfen? Du hast dich gefragt, in welchem Film du plötzlich gelandet bist? 

Was hat dich in diesem Jahr herausgefordert?

Vielleicht fühlst du dich so wie Lucy, Edmund und Eustachius in „Die Chroniken von Narnia: Die Reise auf der Morgenröte“. Gerade noch stehen sie im Zimmer und betrachten fasziniert ein Bild, das ein Schiff mitten im Meer zeigt. Plötzlich leckt Wasser aus dem Rahmen. Eustachius ruft mit geweiteten Augen,: „Was geht hier vor?“
Panik hat ihn ergriffen, aber auch er kann dem Geschehen nicht ausweichen und es nicht verhindern. Das Wasser ergießt sich inzwischen in Strömen in den Raum. Bald steht das ganze Zimmer unter Wasser.. Die drei Kinder spucken und strampeln mitten im Zimmer, während der Pegel immer weiter steigt und sie unter Wasser geraten. Das Zimmer weitet sich und sie befinden sich plötzlich mitten im Meer.

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Ging es dir dieses Jahr auch so? Plötzlich schlugen die Wellen über dir zusammen und du wusstest nicht, was mit dir geschieht? Überrollt von Kontaktbeschränkungen, Abstandsregeln, Schließungen von Läden und Restaurants, vielleicht auch Homeschooling, Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust, Einsamkeit, Verlust von lieben Menschen. Oder von Home Office, Unsicherheit, Angst, Druck, finanziellen Sorgen, fehlendem Urlaub und Erholung?

Die Liste lässt sich bestimmt noch weiter fortsetzen und nur du weißt, wie es dir dieses Jahr wirklich ergangen ist, was du verloren hast. Nur du kennst die Opfer, die dieses Jahr von dir gefordert hat. Kein anderer Mensch kann das im Tiefsten nachvollziehen.

Wie du in zwei Schritten einen Jahresrückblick in diesem besonderen Jahr wagen kannst

Ich ermutige dich, dir Zeit zu nehmen, die Verluste dieses Jahres zu benennen. Übergehe das Schwere nicht! Versuche nicht es zu unterdrücken, oder zu vermeiden. Spüre den Schmerz und gib deinem Herzen Raum, um die Verluste zu betrauern. 

Denn dein Schmerz und deine Verluste  zählen und sie sind Gott nicht egal. Er möchte seinen Trost zu den verletzten und schmerzenden Stellen in deinem Herzen bringen. Der Schmerz darf abfließen und jede einzelne Wunde möchte er behandeln. Jetzt ist die Zeit, nicht länger zu ignorieren oder zu verdrängen. Sonst brauchst du viel deiner inneren Kräfte, um den Schmerz und die Trauer immer weiter zu unterdrücken. Sie wahrzunehmen und zu benennen, ist der erste Schritt hin zu Erleichterung, Trost und neuer Hoffnung. 

Gott hält deine Hand und hat weiter Hoffnung und Zukunft für dich. Gott ist gut, auch wenn es das Leben und die Umstände in diesem Jahr für dich vielleicht nicht waren. 

Ich lade dich nun ein, dir Zeit dafür zu nehmen. Suche dir einen ruhigen Ort, nur Gott, du, ein paar Taschentücher, dazu vielleicht Papier und ein paar Stifte (und vielleicht noch einen Ausdruck dieses Textes 😉 )

1. Schritt: Verluste benennen, trauern und Trost empfangen 

Gib deinem Herzen die Erlaubnis zu fühlen. Du darfst jetzt wahrnehmen, was war und wie es dir innerlich geht. 

Liste alles auf, was dieses Jahr schwer war, was dir genommen wurde, alle Enttäuschungen, Schmerz und Trauer, jeden Verlust, alle Wut.

Wie lang ist deine Liste geworden? Da hat sich vermutlich ganz schön viel angesammelt, oder?

Das ist real und das tut weh. Das darf sein. Du darfst trauern, du darfst weinen und klagen und auch wütend sein.
Und weil es so viel war, ist es vermutlich mit 5 Minuten nicht erledigt, das braucht Zeit.

Du darfst deine Wut rauslassen. Drücke sie aus, hol sie aus dir heraus, vergrabe sie nicht in dir. Eine meiner Töchter hat sich zu ihrem letzten Geburtstag einen Boxsack gewünscht, auf den sie in solchen Momenten einschlagen kann. Was hilft dir, deine Wut auszudrücken? 

Mir haben in diesem Jahr sehr oft die Rückzugsmöglichkeiten gefehlt. Der Lock-Down war hart für mich. Es hat mich schier in den Wahnsinn getrieben 24 Stunden am Stück die ganze Familie um mich zu haben. Ich habe darüber schon mal in meinem Artikel: „Selbstfürsorge in der Krise“ geschrieben. Ich weiß, dass ich mit diesem unaufgeräumten, inneren Chaos zu Gott laufen darf. Aber oft fehlten mir dann die Worte. Die Zeit rann mir zwischen den Fingern davon. Gott hat mich mit einem kleinen Video von „Story of this life“ sehr berührt. Er spricht zu dem gedanklichen und gefühlten Buchstabensalat in meinem Herzen: „Ich weiß! Ich hab dich lieb!“ Das hat mich sehr getröstet.

Christel
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Geh deine Liste  nun durch und lade Jesus in den drängendsten deiner Punkte ein, denjenigen, der dir gerade am meisten Schmerzen bereitet. 

Gott, du siehst, wie dieses Jahr für mich wahr, du siehst meinen Schmerz und meinen Verlust über/durch … Ich lade dich ein, zu mir zu kommen. Bitte heile meinen Schmerz/Wut/Traurigkeit, komm mit deiner heilenden Liebe.

Gib Jesus Zeit, zu kommen, dich zu heilen und dich zu berühren. Dann wiederhole das Punkt für Punkt. Er sieht deine Verluste, er kennt sie und nur er hat echten Trost für dich. Lass dir Zeit. Und es ist auch ok, wenn du nicht alles auf einmal angehst, wenn du die Liste aufteilst oder auch später nochmal mit deinen Verlusten und Gefühlen zu Jesus gehst.

Wenn deine Schmerzen groß sind, ist es mit einem Mal trauern nicht erledigt, und dein Herz braucht noch mehr Zeit mit Jesus. Du darfst seinen Trost in einen Punkt immer wieder einladen. Lass dir die Zeit, die du brauchst, um den Schmerz abfließen zu lassen. Ich habe mir im Herbst über mehrere Tage immer wieder etwas Zeit genommen, um Punkte zu meiner Liste hinzuzufügen und mit Jesus zu betrauern. 

Es dauert vielleicht etwas länger als du zunächst erwartest. Aber es wird deine Seele zur Ruhe kommen lassen und dein Herz heilen. Nur so wirst du wieder Kraft haben, dein Herz für das Gute zu öffnen. Dein unterdrückter Schmerz würde es stumpf werden lassen.

Trauern und Jesus einladen ist wie ein Regen, der die drückende Luft reinigt und dich durchatmen lässt. Du kannst wieder sehen, dein Blick ist nicht länger getrübt. Die drückende Schwere schwindet und du kannst aufatmen. Gutes kann wieder Raum in deinem Leben bekommen.

2. Schritt: Glück und Freude wahrnehmen, festhalten und danken

Irgendwann merkst du, dein Blick wird wieder klarer, der Schmerz lässt nach. Meine Freundin hat mir mit dem Nagellack ein Geschenk gemacht, das so richtig für mich gepasst hat. Wenn ich über dieses Jahr nachdenke, dann hat auch Gott mich in so vielen Situationen liebevoll beschenkt! Vor lauter Trubel, Sorgen und Gedanken war mein Blick oft so getrübt, dass ich sie nicht richtig wahrgenommen habe. 

Als ich unseren Familienkalender für 2021 vorbereitete, hatte ich erwartet, dass ich kaum Fotos ohne Masken finden würde. Wie war ich überrascht, als ich so viele schöne Familienmomente entdeckte, die wir inmitten dieses Coronajahres hatten.
Ausflüge, Sommerurlaub, aber auch Erlebnisse zu Hause, in denen wir glücklich und lebendig waren.

Ich lade dich nun ein, Gott zu fragen, was er dir dieses Jahr geschenkt und wo er dein Herz liebevoll berührt hat. Wo hast du dich lebendig gefühlt? Was war großartig und sei es auch nur für eine kurze Zeit so gewesen?

Mir hilft es, durch meine Fotomediathek auf dem Smartphone zu scrollen. Ich verweile bei dem einen oder anderen Foto. Mit dem Herzen und meinen Gedanken gehe ich zurück an diese Orte des Glücks und der Freude. Oder vielleicht hast du ein Tagebuch, in dem du dein Jahr festgehalten hast? 

Nutze deine Erinnerungen als einen Anker, geh (im Herzen, in Gedanken) dahin zurück und empfinde die damalige Freude, die Lebendigkeit neu… und wieder und wieder.

Worauf auch immer wir unsere Aufmerksamkeit richten, das ist es, was in uns Raum gewinnt, was unser Denken und Handeln prägt. 

Der Gott, der dir diese großartigen Erfahrungen dieses Jahr und auch in der Vergangenheit gegeben hat, das ist der Gott, der auch jetzt an deiner Seite ist. Das ist der Gott, der auch heute noch dein Gott ist.

Du bist immer noch sicher in der Liebe Papas, Jesus und des Heiligen Geistes. Gott ist immer noch für uns da. Er ist immer noch gut. 
Dieser Gott geht mit dir weiter in 2021.

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