Was sind meine Gefühle und Bedürfnisse?

17. Januar 2020 | Rahel |

Rahel

Von Rahel.

Der Beginn der Reise zu meinem Herzen

2007 überraschte mich mein Mann mit der Idee, eine Coaching-Ausbildung zu machen. Ich konnte damals nicht wirklich viel damit anfangen. Wozu meinte er, das zu brauchen? Was versprach er sich davon?
Aufgrund meiner Schwangerschaft und der Geburt unserer älteren Tochter dauerte es noch etwas, aber 2009 fing er eine Coaching-Ausbildung an. Sie lief über ein Jahr, umfasste mehrere Module und Themen. Dazwischen musste er jeweils ein Buch auswählen und lesen. Bei einer dieser Aufgaben entschied er sich für das Buch „Gewaltfreie Kommunikation – eine Sprache des Lebens“ von Marshall Rosenberg:

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bzw. Hörbuch oder Spotify

Dieses Buch faszinierte ihn. Es war ihm so wichtig, dass ich mich auch mit den Gedanken darin befasse, dass er mir das Hörbuch kaufte. Über lange Zeit hörte ich es mir das immer und immer wieder an.

Was ist Gewaltfreie Kommunikation?

In der Gewaltfreien Kommunikation geht es darum, eine Sprache zu erlernen, die frei ist von Bewertungen (man könnte auch sagen, von Urteilen). Stattdessen spreche ich meine Gefühle und meine Bedürfnisse an. Wenn meine Bedürfnisse nicht erfüllt sind, dann kann ich versuchen, durch Bitten eine Veränderung zu erreichen.

Gewaltfreie Kommunikation hilft, eine Sprache der Wertschätzung und der Empathie, der Verletzlichkeit, der Konflikte und eine Sprache auf Augenhöhe zu lernen und zu erfahren.

Die Gewaltfreie Kommunikation geht davon aus, dass erfüllte Bedürfnisse „gute“ Gefühle auslösen, während unerfüllte Bedürfnisse „schlechte“ Gefühle auslösen. Indem ich meine Gefühle und erfüllten Bedürfnisse formuliere, kann ich Wertschätzung ausdrücken.
Das kann sich zum Beispiel so anhören: „Wenn ich sehe, dass du deinen Teller und dein Besteck in den Geschirrspüler räumst, freue ich mich, weil ich deine Hilfe schätze.“

Indem ich meine Gefühle und unerfüllten Bedürfnisse benenne, kann ich in eine Klärung gehen. Das könnte sich dann so anhören: „Ich sehe, dass dein Teller und Besteck auf der Arbeitsplatte stehen. Ich bin genervt, weil ich mir Unterstützung wünsche. Ich bitte dich, dein Teller und Besteck in die Spülmaschine zu räumen.“

Außerdem hilft mir die Gewaltfreie Kommunikation, einfühlsam zu vermuten, was mein Gegenüber gerade jeweils fühlt oder welche Bedürfnisse er hat. Ein ausgesprochenes vermutetes Gefühl oder Bedürfnis, selbst wenn es nicht den Kern der Sache trifft, vermittelt Verstandenwerden und Verbindung. Das kann sich z.B. so anhören: „Bist du ärgerlich, weil dir Pünktlichkeit wichtig ist?“

Dabei ist die gewaltfreie Kommunikation keine Sprache des Nettseins oder Sich-Kleinmachens. Sie ist Kommunikation von Herz zu Herz und Für-Sich-Einstehen auf Augenhöhe.

Meine Reise zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen

Zu der Zeit, als mein Mann mir das Buch kaufte, waren wir gerade auf der Suche, wie wir mit unserer Tochter gut und wertschätzend umgehen konnten. Nachdem ich angefangen hatte, mich damit zu beschäftigen, wollte ich mehr davon. Ich wollte mir diese „Sprache“ aneignen und sie mit meinen Kindern sprechen. (hilft übrigens auch bei Ehemännern ;-))

Aber ich hatte ein grundlegendes Problem: Ich hatte überhaupt kein Worte für meine Gefühle. Wenn mein Mann mich fragte, wie es mir gerade ging oder was ich gerade fühlte, fiel mir außer „gut“ oder „schlecht“ nicht wirklich viel ein. Ich konnte meine Gefühle nicht benennen.
Und ich merkte – ich spürte sie oft nicht einmal. Da war oft nur ein diffuser, bedrückender, einengender Nebel über mir.

Mit meinen Bedürfnissen ging es mir nicht anders. Ich konnte nicht ausdrücken, was ich gerade brauchte oder auch nicht, was ich möchte und was nicht. Und ich konnte es auch nicht wahrnehmen.
Du kannst dir bestimmt vorstellen, ohne zu wissen was du willst und möchtest, ist ein Gespräch darüber oder – noch besser – die Erfüllung davon ungemein schwer oder eher ganz unmöglich 🙂

Zum Glück fühlte mein Mann oft genug, was ich dachte. 😉

Aber das war auf Dauer unbefriedigend für mich. Da wollte ich raus! Ich war entschieden, dass ich das ändern wollte.

So begann eine lange Reise zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen, auf der ich auch immer noch bin. Im gedruckten Buch gibt es eine Liste von Gefühlen und Bedürfnissen. Im Hörbuch gab es die leider nicht. So fragte ich Google.
Und sieh da – Ich stieß auf das Gefühlsrad von Günter W. Remmert.
Dieses Rad, ausgedruckt und zusammengeklebt hing lange Zeit an einer Magnetleiste neben unserer Toilette.

Mein Mann und ich zogen es immer wieder hervor und gingen es Strahl für Strahl durch. Das war mühsam, sage ich dir. Aber wir merkten, wenn wir uns an eine bestimmte Situation des Tages erinnerten und die Gefühle durchgingen, gab es welche, die „Resonanz hatten“, bei denen wir sagen konnten – „Ja, das habe ich in der Situation gefühlt.“

Das war für uns über lange Zeit eine Hilfe, uns gegenseitig davon zu erzählen, was wir erlebt und gefühlt hatten.
Besonders, wenn ich aufgewühlt war, war es und ist es immer noch für mich hilfreich, diese Liste durchzugehen.

Zuerst lernten wir so einen größeren Wortschatz für Gefühle. Als nächstes merkten wir, dass wir begannen, Gefühle überhaupt und zunehmend bewusster wahrzunehmen. Und dann differenzierter.

Aber was war mit den Bedürfnissen, meiner zweiten Herausforderung? Was sind denn meine Bedürfnisse? Und wie kann ich die in Worte fassen?

Rückblickend kann ich dir sagen, dass das Benennen meiner Gefühle die Basis dafür ist, meine Bedürfnisse ebenfalls in Worte zu fassen. Meine Gefühle zeigen mir, ob Bedürfnisse erfüllt sind („positive Gefühle“) oder nicht („negative Gefühle“).

Im Studium habe ich was von der Maslowschen Bedürfnispyramide gehört, aber für diesen Zweck fand ich sie nicht sonderlich hilfreich. Wieder begann ich zu suchen.

Heute gefällt mir diese Darstellung von INEK-Training am besten

Sie verbindet Information und Schönheit und hängt nach wie vor im A4 Format ausgedruckt an der wohlbekannten Magnetleiste unserer Toilette.

Und auch hier lernten wir Stolpern, indem wir beim Erzählen eines Erlebnisses das Papier in die Hand nahmen und spürten, welche Bedürfnisse bringen etwas in uns zum Schwingen. Wieder und wieder ordneten wir so Gefühle und Bedürfnisse einer aktuellen Situation zu, kamen vom Stolpern über das „an der Hand gehen“ ins selbstständige Laufen.

Und was hat die Gewaltfreie Kommunikation mit meinem Herzen zu tun?

Wenn du auf den Kalender schaust, erkennst du, heute ist 2020. Mein Mann hat das Buch im Jahr 2009 angeschleppt. Das war keine Verwandlung von heute auf morgen, es war eine Entwicklung, eine Reifung und ein Weg über viele Jahre. Immer wieder haben wir Rast gemacht oder sind auch mal eingerostet. Und wir sind immer wieder aufgestanden und haben uns wieder auf den Weg gemacht, um näher zu unserem Herzen zu kommen. Und wir sind weiter auf diesem Weg – wir möchten besser spüren, was uns auf dem Herzen liegt, was wir fühlen und was unsere Herzen brauchen.

Wenn ich heute zurückschaue, sehe ich, dass dies der erste Schritt war, meinem Herzen wieder näher zu kommen. Es war ein grundlegender Schritt, dem viele weitere folgten und auch noch weiter folgen werden.

Damals hatte ich mein Herz verloren. Ich hatte keinen Zugang mehr zu meinen Gefühlen und Bedürfnissen. Ich hatte mich von ihnen abgeschnitten, weil ich dachte, dass ich mich selbst so schützen kann und so keine „schlechten“ Gefühle mehr fühlen würde.

Aber Verloren ist kein Urteil, das war ein vorübergehender Zustand. Ich habe mich aufgemacht und mich ausgestreckt, es wieder zurückzubekommen und die Entscheidung, nichts mehr fühlen zu wollen zurückgenommen.

Und du? Kennst du deine Gefühle und Bedürfnisse? Spürst du sie? Wie nimmst du sie wahr? Wie viele Worte hast du, um sie auszudrücken?

Ich ermutige dich, dich auf einen Weg einzulassen, dein Herz, deine Gefühle, deine Bedürfnisse, Sehnsucht und Leidenschaften wieder zu spüren.
Denn aus deinem Herz entspringt das Leben.

„Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.“

Spr 4,23

Einen Eindruck von der Gewaltfreien Kommunikation gibt Marshall Rosenberg z.B. in diesem Clip. Die Giraffe steht dabei für die Haltungen und Sprache der Gewaltfreien Kommunikation:

Liebst du mich? – Rollenspiel Wolf und Giraffe – Marshall B. Rosenberg – dt. Untertitel

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Hier erzählt Kirsten, wie ihr Weg zurück zu ihrem Herzen begann:


Hier schreibt Christel über ihre Sehnsucht, im Herzen lebendig zu sein und aus ganzem Herzen zu leben:

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