Was Käfer mit Loslassen zu tun haben

von | 18. März 2022 | innerlich heil werden |

Eine Geschichte über Loslassen und Vergebung

Ich sehe ihn wieder. Diesmal hängt er an der Hauswand. Die Hauswände wirken warm und einladend. Die Sonne strahlt mit ganzer Kraft. Spätsommer. Ich sitze auf meinem Balkon und lasse mein Gesicht von der Sonne erwärmen. Vögel zwitschern ein schönes Lied. Es ist so schön hier zu entspannen. Mein Blick schweift umher und da ist er also wieder. Der Käfer wackelt mit seinen langen Fühlern. Ich beobachte ihn immer wieder. Es ist der gleiche wie vor ein paar Tagen, scheint zumindest so. Immer, wenn ich kleine Tiere sehe, fällt mir ein Name ein und ich begrüße das Tier und dieses nenne ich Hugo.

Und da… der Käfer lässt sich fallen! Gebannt beobachte ich das Geschehen. Hugo ist auf seinem Panzer gelandet, dreht sich um, rappelt sich wieder auf, wackelt hin und her und läuft weiter als wäre nichts gewesen. Hugo hat sich aus einer Höhe von mindestens 3 Metern fallen gelassen, beachtlich!

Wenn sich die „Balkonkäferchen“ fallen lassen, landen sie auf ihrem starken Panzer und es passiert ihnen anscheinend nichts nach dem Aufprall. Ich höre nur ein Geräusch, ein „Knacken“, wenn sie den Boden berühren…Sie laufen nach dem Fall, wenn sie sich wieder umgedreht haben, an der neuen Stelle weiter.

Ich überlege, warum sie das wohl tun? Vielleicht ist es ihr Ziel, schneller von A nach B zu kommen (eine mögliche Antwort).
Die Käfer denken nicht darüber nach, glaube ich zumindest 🙂 bzw. stellen nicht infrage, ob sie beim Fall aus großer Höhe richtig und sicher am Boden ankommen.

Kleiner Vergleich zu uns Menschen:
Wir Menschen dagegen machen uns manchmal zu viele Gedanken, bevor wir etwas wagen oder um überhaupt vorwärts zu kommen. Bevor wir „springen“ oder uns fallenlassen, überlegen wir, diskutieren wir, wägen ab. Das ist auch gut so. Wir haben unseren Verstand, können träumen und etwas Kreatives erschaffen.

Wir Menschen sind auch sehr unterschiedlich in unseren Persönlichkeiten, was uns liegt, wie wir Aufgaben angehen…
Ich wäge immer sehr viel ab, mache mir Gedanken, diskutiere alles in meinem Kopf, denke nach, denke nach, denke nach… Andererseits liebe ich Spontanes genauso, liebe den Moment. Beides brauche ich auch, das bin ich.

Zurück zu dem Käfer: Er lässt sich einfach fallen. Und das Erstaunliche geschieht – er kommt dadurch weiter, ein großes Stück sogar. Ich möchte mich auch viel öfters „fallen“ lassen und vertrauen, dass ich sicher ankommen werde nach dem Fall. Denn dann komme ich schneller an mein Ziel bzw. überhaupt vorwärts. Aber es hat auch etwas mit KONTROLLE abgeben zu tun.

In Gesprächen höre ich mich und andere oft sagen: „Ich muss das loslassen“ oder „Ich gebe es Gott ab“ oder „Ich sollte mich von… lösen“. Hier geht es einerseits darum, ETWAS loszulassen und andererseits MICH SELBST fallenzulassen.

Ich habe aber bei dem Gedanken, mich selbst fallenzulassen ein mulmiges Gefühl, vor allem, wenn ich nicht weiß, wohin ich falle oder was mit dem passiert, was ich loslasse. Es fühlt es sich so an, als bräuchte ich da Sicherheit und Klarheit. Wenn ich etwas fallenlasse, wohin denn? Kommt es dann zurück? Fällt es in eine unbestimmte Tiefe oder Leere, in ein Nichts?

LOSLASSEN braucht WEISUNG UND ZIEL

Wenn etwas abgegeben, losgelassen wird, dann braucht es meiner Meinung nach eine Art Anweisung, wohin es fallen soll. Gott, unser Schöpfer und himmlischer Vater ist der Einzige, der mit dir und mir und dem, was wir loslassen wollen, wirklich liebevoll umgehen kann. Er spricht zu uns: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken. Ich will euch Ruhe geben.“

So sage ich zu dem, was ich loslassen möchte, dass es an einen bestimmten Ort gehen soll. Ich lasse es (und mich selbst, da es von mir ist) in Gottes Hände fallen. Er möchte, dass wir befreit leben können in enger Verbindung mit Ihm!

Wenn ich Gott, meinem Vater, alles „abgebe“, dann ist dieser Schritt des echten Loslassens erst ganz wirksam, wenn ich die Kontrolle abgebe. In dem Moment vertraue ich Gott voll und ganz, dass Er sich um alles kümmern wird und es auch will und kann!

Alles, was ich loslasse, sende ich somit zu Jesus.

Wie der Käfer sich einfach fallen lässt, da er weiß, er wird immer auf seinem starken Panzer aufkommen – so will auch  ich mich fallenlassen bzw. etwas loslassen mit der Gewissheit, es kommt bei Jesus an.

VERGEBUNG hat auch etwas mit Loslassen zu tun

Durch Vergebung verzichtet eine Person (lässt los) auf den Schuldvorwurf und auf ihren Anspruch der Wiedergutmachung des erlittenen Unrechts. Hmmm, starke Worte, großes Thema!

Das bedeutet für mich konkret, dass ich nicht mehr dem Schuldigen nachjage und Wiedergutmachung einfordere. Natürlich soll und darf ich Grenzen setzen, vor allem, wenn meine Grenzen überschritten werden. Doch jemanden zu vergeben bedeutet ein „ich lasse diesen Anspruch auf Wiedergutmachung los“ und überlasse die Kontrolle Jesus.

Ich gebe die „Tat“, die Wunde, die mir zugefügt wurde und die Person in Gottes Hände. Er ist der Richter und Er wird sich darum kümmern. Als ich einer Person endlich vergeben hatte, konnte ich ihr beim nächsten Mal viel ungezwungener und entspannter begegnen als zuvor. Ich hatte auf einmal einen ganz anderen Eindruck von diesem Menschen: Bevor ich vergeben hatte, konzentrierte ich mich fast automatisch auf die Schuld der Person oder die Tat, ich war wie gefangen. Ich fühlte mich unsicher und verletzt, die Wunde schmerzte und es war sehr unangenehm. Nachdem ich „losgelassen“ hatte, sah ich auf einmal einen Menschen, der, wie jeder von uns, bedürftig ist und Jesus braucht wie ich auch.

Loslassen, von dem, was mich festhält und „binden“ will, hat zur Folge, dass ich dann weiter komme. Veränderung meiner Selbst, meiner Situation, entsteht. Wie der Käfer einen Ortswechsel erlebt (er lässt sich auf den Boden fallen), erlebe ich auch etwas Neues, vielleicht sogar Befreiung (Vergebung). Ich gebe etwas in Gottes Hände und mich selbst dazu. Ich begebe mich selbst in Seine Hand, lasse mich fallen. Ich gebe auch den Anspruch auf, dass der „Täter“ es wiedergutmachen soll.

Um bei dem Käfer- Beispiel zu bleiben: Er vertraut darauf, dass er nach seinem Fall weiterkommen wird und dass ihm nichts passiert. Er ist fest davon überzeugt, dass alles gut wird (vielleicht haben diese kleinen Lebewesen wie alle anderen Tiere eine sehr enge Gottesbeziehung? Die Vögel singen schöne Lieder jeden Morgen, ein atemberaubender Lobpreis). Letztendlich kann ich nur wirklich vergeben, meinen Anspruch auf Wiedergutmachung „abgeben“, wenn ich Gott als Schöpfer und Richter anerkenne und IHM ganz vertraue. Vergeben bedeutet für mich, dass ich immer wieder meine Knie vor dem beuge, der alles in der Hand hat. Gott kennt dich und mich am besten, jedes Haar hat er gezählt und jede Träne ist aufgefangen.

So steige ich von meinem eigenen Thron herunter und beuge mich vor dem wahren König. Ich habe nicht den Überblick, ich bin nicht Gott.

Sobald ich dies wirklich anerkenne, kann ich auch loslassen.

Der Käfer lässt sich immer wieder mal fallen, er will weiterkommen! So darf auch ich mich immer wieder fallenlassen, in Gottes Hände. Es ist so schön zu wissen, dass Gott mich auffängt und auch das, was ich loslasse bei IHM gut aufgehoben ist.

Letztes Jahr wusste ich z.B. nicht, ob ich in meinen alten Beruf zurückkehren soll. Wie würde es werden? Ich hatte mich doch zuvor aus dieser Branche verabschiedet! Letztendlich war dann meine Entscheidung ein Loslassen von allen Bedenken, ein Fallenlassen aus großer Höhe in Gottes Hände. Bestimmte Dinge in meinem beruflichen Umfeld waren nicht so schön verlaufen, ich war verletzt und auch verunsichert. Als ich dann meinen Anspruch losgelassen habe, dass bestimmte Menschen etwas wiedergutmachen müssen, war ich befreit und offen für den „Sprung aus großer Höhe“. Nun weiß ich, dass auch mir nichts passiert, wenn ich mich fallen lasse. Wenn ich Gott vertraue, habe ich in solchen Momenten auch Mut, Entscheidungen zu treffen.

Welche Erfahrungen hast Du mit Vergebung gemacht? Bedeutet Vergebung für Dich auch ein Loslassen?

Ich wünsche dir und mir, dass wir wie der Käfer den Schritt wagen, uns fallenzulassen. Denn wir wissen ja, wohin wir fallen. Und wir können etwas loslassen, was uns festhält! Wir lassen den Anspruch los, dass andere wiedergutmachen, was ungerecht war oder noch ist. Gott ist der Richter und Retter und hat die Kontrolle bis in Ewigkeit. Dies wirklich tief in uns zu wissen, ist eine Befreiung und führt uns in die Weite.

„Ich liebe dich, Herr! Du bist meine Kraft! Der Herr ist mein Fels, meine Festung und mein Retter, mein Gott, meine Zuflucht, mein sicherer Ort. Er ist mein Schild, mein starker Helfer, meine Burg auf unbezwingbarer Höhe. Gepriesen seist du, Herr! Wenn ich zu dir rufe, dann werde ich vor meinen Feinden gerettet…

Aber der Herr gab mir sicheren Halt und führte mich aus der Not hinaus in die Freiheit. Er rettete mich. So viel bedeute ich ihm!“

Psalm 18, 2- 4, 19- 20

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