Selbstfürsorge in der Krise

8. Mai 2020 | Christel |

Von Christel.

Wütend hacke ich eine Fleischwurst in Stücke. Ich koche nicht nur unser Mittagessen, ich koche auch innerlich. Wut, Verzweiflung, Zorn und Ohnmacht dampfen brodeln in meinem inneren Kessel. Tränen fluten meine Augen und bilden kleine feuchte Pfade von meinen Augen zum Kinn.
Ein Stockwerk höher sitzt mein Sohn hinter seiner verschlossenen Zimmertür und kämpft ebenso wie ich mit einer unbändigen Wut. Wir finden gerade keinen Weg zueinander. Wie so oft in den letzten Wochen geht es um unseren Alltag, der durch Corona ordentlich aus den Angeln gehoben wurde. Unser lautes Geschrei und Türen-zu-schlagen hat meinen Mann aus dem zum Homeoffice umfunktionierten Schlafzimmer gelockt. Jetzt steht er neben mir in der Küche und fragt, was denn eigentlich los sei. „ICH KANN NICHT MEHR!“, bricht es aus mir heraus. Ein Schwall von Kraftausdrücken und Klagen ergießt sich über meinen Mann, der zunächst nicht weiß, wie ihm geschieht. Zehn Minuten später ist mein Ausbruch vorbei und ich stehe erschöpft in der Küche. Ich bin traurig, wie hatte es soweit kommen können? Ich wollte doch geduldig sein. Gefühlt befinde ich mich grad auf der Streckbank. An jedem Arm und Bein zieht es mich auseinander. Ich weiß selbst nicht, was ich gerade brauche oder will. Ich funktioniere, halte äußerlich alles am Laufen aber ich weiß nicht, wie es mir geht. 

Das ist beängstigend, wie komme ich raus aus dieser Situation, wie werde ich den Druck los? Einen Tag später folgt ein neuer Vulkanausbruch. Ich kann das Wort: „Mama“ nicht mehr hören. Nicht mal in Ruhe aufs Klo kann ich gehen, ohne, dass einer mit dem Schulheft oder einer Frage vor der geschlossenen Tür steht und mich „nur ganz kurz“ was fragen will. In meinem Kopfkino packe ich die Koffer und fahre ganz weit weg – mit Vollgas und quietschenden Reifen.

Ich sehne mich nicht nach einem belanglosen Schulterklopfen und einem saloppen: „Da müssen wir halt durch…“ oder „Das geht vorbei…“. Nein, es erschreckt mich, dass ich grad völlig aus der Bahn geworfen bin und ich nicht weiß, wie mein Alltag sich in Zukunft gestalten wird. Ich bin enttäuscht, weil ich hoffte, dass meine Seele krisentauglicher wäre. 

Wie geht es dir, wenn du das liest? Wo steckst du grad in dieser Krise? 

Krisenzeiten fordern uns heraus, sie stellen alles auf den Kopf und können uns schier in den Wahnsinn treiben.

Wie können wir gerade in dieser Zeit auf uns achten? Wie können wir mit emotionalen Gewitterstürmen umgehen oder wie können wir die schwarzen Wolken frühzeitig erkennen? Was mache ich mit meinen Frust? Was mache ich, wenn meine inneren Alarmsignale auf dunkelrot stehen?

Mein Mann hat für sein Büro einen „Krisen-Überlebensplan“ für Männer ausgedruckt. Sehr interessant, so eine Erinnerung brauche ich auch! Sie hilft mir, in dieser Zeit klarer zu sehen…

Mir ist klar geworden, dass ich zuerst einen Notfallplan brauche. Auf meinem Notfallplan stehen konkrete Schritte, die ich gehen möchte, wenn ich spüre, dass mir alles zu viel wird. Er erinnert mich daran, für mich selbst zu sorgen und herauszufinden, was mir gut tut. Was brauche ich, wenn ich mich überfordert fühle? Welche Aktivitäten setzen den negativen Autopiloten außer Kraft und helfen mir aufzutanken?

Ich bin noch dabei herauszufinden, was ich mir Gutes tun kann, was ich brauche und fühle. Hilfreich war für mich der Artikel: Was sind meine Gefühle und Bedürfnisse. Ich tauche gerade ein in die von Rahel dazu empfohlene Lektüre von M. B. Rosenberg. Schritt für Schritt, oft noch mit einer großen Portion Ungeduld, aber auch mit einer großen Portion Hoffnung im Gepäck!

Mein Notfallplan:

  1. Ich brauche Ruhe.
    Ich habe mit meinem Mann gesprochen und ihm gesagt, dass ich dringend einmal Ruhe brauche. Er hat am Wochenende einen sehr langen Ausflug mit den Kindern gemacht und ich hatte sturmfreie Bude. Das war toll und hat mir unglaublich gut getan. 
  2. Ich bleibe nicht allein, ich suche den Austausch mit Freunden, die mich verstehen. (telefonieren, etc.)
    Ich genieße auch den Austausch mit anderen Frauen, ich bin nicht allein mit meiner Baustelle!
  3. Ich gehe alleine spazieren, nur Gott und ich…
    Ich brauche Gottes liebevollen Blick, der mich nicht verurteilt, wenn mein Frust mal wieder am brodeln ist.

Ich lade dich ein herauszufinden, was dein Herz benötigt, um deinen Frust abzulegen. Entdecke, was du und dein Herz in dieser Krise brauchen! Wie sieht dein persönlicher Notfall- oder Selbstfürsorgeplan aus? Wenn du noch keinen hast, ermutige ich dich, dir Zeit zu nehmen einen für dich zu erstellen. Dafür kannst du diesen Entwurf nutzen:

Finde danach einen sichtbaren Platz für deinen Plan, dass du ihn nicht vergisst und aktiv werden kannst.

Verwandte Beiträge

Wunder im Alltag

Wunder im Alltag

Von Christel. Jesus im Alltag begegnen Es gibt Tage, an denen ich mich frage, ob ich ein Abo für Pleiten, Pech und...

mehr lesen

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.