von Christel

Seufzend schließe ich die Haustür hinter meinen nörgelnden Kindern. Es ist 7:15 Uhr und ich stehe im Schlafanzug auf einer dreckigen, verkrümelten und mit Katzenhaaren dekorierten Fußmatte. Vielleicht sollte ich mit meiner Fußmatte mal einen Kaffee trinken und ihr das „Du“ anbieten…

Ganz ehrlich, ich fühle mich oft wie dieser Abtreter. Wie der perfekte Abputzer für alles, was meinen 3 Kindern quer im Kopf sitzt. Es freut mich, wenn sie mir offen erzählen, was sie bedrückt. Aber es gibt andere Dinge, die mich belasten. Dann fühle ich mich wie eine Fußmatte im Winter- solche, die immer im Eingangsbereich der Kaufhäuser liegen. Sie sind vollgesaugt mit Schneematsch oder Regen,  und jeder Fußtritt quetscht eine braune Brühe mit Bläschen hervor.

Ich weiß, dass meine Kinder mich lieben. Wenn sie aber nur Ansprüche stellen? Wenn ich verantwortlich sein soll fürs Verschlafen, Zu-spät-kommen, für die nicht vorhandenen frischen Socken, obwohl diese nur zwei Handgriffe entfernt liegen?  Das macht etwas mit mir!  Wie oft habe ich dann schon in allen möglichen Tonlagen gefragt, ob ich denn der Fußabtreter für alle bin!

Warum trifft mich das so tief, wenn meine Kinder nicht sehen, was ich alles für sie tue?

Ich gehe auf die Suche nach der Wurzel meiner Sehnsucht nach Anerkennung. Oft habe ich das Gefühl, dass keiner sieht, wie es mir geht und es sogar egal ist. Ich bin nicht wichtig. Hauptsache, den anderen geht es gut. In der Mutterrolle habe ich mich irgendwie verloren. Es geht nicht um meine Bedürfnisse.  Wenn es meinen Kindern gut geht, dann geht es mir auch gut. Aber diese Rechnung geht nicht auf. Meine Kinder sind nicht immer zufrieden, und ich kann unmöglich alle ihre Bedürfnisse stillen. Dieses Gefühl nicht genug zu sein, mein Bestes zu geben, aber es reicht nicht, das kenne ich aus meiner eigenen Kindheit. Ich sehe, dass die Ansprüche meiner Kinder oft diese alten Emotionen wieder hochholen. Eben wie der Fußtritt, der die schlammige Brühe aus der Matte herausdrückt…

Werde ich mich immer als Abtreter fühlen und muss ich mich dem still ergeben? Ich wünsche mir Veränderung in diesem Bereich. Ich will mich nicht länger unzulänglich fühlen und mich dafür selbst bemitleiden.

In „Ein neues Herz will ich euch geben“ von Dirk & Christa Lüling lese ich, dass es wichtig ist, die eigenen Verletzungen anzuerkennen und nicht runter zu spielen. Ich darf sie offen vor Gott aussprechen:

 „Gott, warum sehen die anderen oft nicht was ich tue? Werde ich übersehen? Ich fühle mich nicht wertgeschätzt und gleichzeitig hasse ich dieses Selbstmitleid. Bitte komm du in meine Gefühle hinein. Ich lasse mein Minderwertigkeitsgefühl und das Selbstmitleid jetzt los und gebe sie dir! Gott, siehst du mich? Liebst du mich? Wer bin ich für dich?“

Dann fällt mir ein Satz im Buch besonders ins Auge: „Du hast keine Berufung zur Fußmatte!“

Nein, ich bin keine Fußmatte! In Gottes Augen bin ich ein- von seiner Hand gewebter Edelteppich mit weißen, weichen Kuschelfransen. Ich liege nicht im Durchgangsbereich, sondern im Thronsaal. Ich werde von Gott umsorgt und gepflegt.

Wo wünschst du dir Veränderung? Welche Verletzung möchte geheilt werden? Wer oder was hat dich innerlich zur Fußmatte gemacht? Weißt du, dass du ein kostbarer Edelteppich bist, dass du geliebt wirst?

Das Wissen im Kopf heißt noch lange nicht, dass mein Herz das auch verstanden hat, dafür braucht es sicher noch weitere Teppichpflegesitzungen. Ich bin noch nicht am Ziel, aber ich bin nicht allein! Gott sieht meinen Wert, er kennt meine Verletzungen und er will was Gutes draus machen!

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